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Der Blick schafft die Kunst!

Ich bin in erster Linie Künstlerin und verwende die Fotografie als mein Ausdrucksmittel. Die Fotografie wird als das Medium verstanden, um ein Abbild der Wirklichkeit zu schaffen. Für mich ist sie manchmal das Ausgangsmaterial, am Ende aber immer die Präsentatinsform.

Projekte wie "musée trouvé" sind von Anfang an als Buch geplant und ausgeführt. Die Objekte dieser fiktionalen Kunstsammlung habe ich jeweils so vorgefunden wie sie im Katalog zu sehen sind. Da es sich hier um objécts trouvé handelt, die man in einer cleanen Umgebung als Kunstwerke interpretiert, habe ich diese Räume gereinigt, also alles entfernt was nicht zu meinem "Werk" gehört und den Betrachter ablenkt. Nicht die Baustelle ist das Thema, sondern das Kunstwerk.

„ Auch wenn es in gewisser Hinsicht zutrifft, dass die Kamera die Realitäten einfängt und nicht nur interpretiert, sind Fotos doch genauso eine Interpretation der Welt wie Gemälde oder Zeichnungen." Susan Sontag, Über Fotografie

Mein Schwerpunkt in der Fotografie ist Architektur. Sämtlichen Auftragsarbeiten versuche ich einen künstlerischen Aspekt zu entlocken. Bei den Recherchen für das Buch „ Art Deco in Leipzig" entdeckte ich viele Objekte, bei denen eine genaue stilistische Einordnung nicht so einfach möglich ist. Es entstand die Idee der Ausstellung „Reine Formsache", in der ich mit den Sehgewohnheiten im Musealen Aspekt spiele. Während der Ausstellungsdauer habe ich kaum sichtbare, fast unmerkliche Veränderungen vorgenommen. Diesen Prozess der Zeitverschiebung  habe ich fotografisch dokumentiert und in einem Katalog präsentiert. Der Katalog und die Fotografien sind für mich das eigentliche Produkt meiner Arbeit. Die Ausstellung verstehe ich als ein öffentliches Atelier.

Für meiner Ausstellung „8 Tage Fließgeschwindigkeit" in Glückstadt, fotografierte ich Industriearchitektur und Landschaft. Da mich die Architekturen von Industrielandschaften begeistern, habe ich sie so fotografiert, das diese Begeisterung dem Betrachter vermittelt wird. Auch hier habe ich störende Elemente entfernt. Denn das menschliche Auge blendet in der Wirklichkeit Dinge aus, die im Bild zum Gestaltungselement werden.
Die Landschaftsfotografien sind im Gegensatz sehr experimentell entstanden. Hier haben die Bewegung, das Wetter und das jeweilige Verkehrsmittel die Fotografien beeinflusst. Die Auswahl erfolgt später am Computer. Die Bilder wurden nicht mehr weiter verändert, erhielten aber durch die Drucktechnik und der ihr inne liegenden Unschärfe ihren malerischen Duktus.

Im Jahr 2011 entstand die Arbeit "Ein Gedächtnis zieht um" - eine eher dokumentarische Arbeit über den Umzug und die Neuordnung des "Landeshauptarchiv Sachsen-Anhlat", die dann auch im Neubau in Magdeburg, Brückstraße gezeigt wurde. 2014 entstand daraus die Künstleredidition mit dem Titel "Die Ordnung der Dimge". In einer Archivbox befinden sich 20 Originalphotographien und einem Katalog mit Texten von Wolfgang Kemp und Interviews mit Archivaren des Hauses, geführt von Sabine Ullrich, und einer Gesamtübersicht der Photographien.

Seit 2009 beschäftige ich mich mit Stillleben in Ihren Bilderrahmen. In jedem Jahr enstehen nur eine sehr geringe Anzahl von neuen fertigen Bildern.  Ich genieße diese meine Ruhe bei dieser Arbeit.

 

Titelbid muesée trouvé, Ein Photographieprojekt im Neubau des Museums der bildenden Künste Leipzig von Jill Luise Muessig
EDITION BRAUS